
Lebewesen · Weichtiere
Campanile giganteum
Quellenzeitraum (keine Art-Lebensdauer) · ≈ 56–38 Ma
Erschlossene Lebendrekonstruktion
Campanile giganteum
Überblick
In einer großen, turmähnlichen Spiralschale verbergen sich die Jahreszeiten eines alten Meeres. Campanile giganteum ist eine Schnecke, die in den europäischen Meeren des Eozäns lebte. Fossilien können nicht nur das Aussehen eines Organismus überliefern, sondern auch die Sommer und Winter, die er erlebte.[1]
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Wichtige Fakten
Die Schale entsteht nicht auf einmal, sondern wird beim Wachstum der Schnecke nach und nach ergänzt. 2020 las ein Forschungsteam entlang dieser Wachstumsfolge die chemische Zusammensetzung und suchte nach jahreszeitlichen Veränderungen. Eine alte Schnecke wurde damit zu einem Wetterarchiv aus einer Zeit vor vielen Zehnmillionen Jahren.[1]
Zeit und Ort
Die in der Studie verwendeten Fossilien stammen aus dem mittleren Eozän vor etwa 45 Millionen Jahren. Sie wurden in Fleury-la-Rivière in der heutigen französischen Region Champagne gefunden. Damals erstreckte sich ein warmes, flaches Meer über das heutige Festland.[1][2]
Der Zeitraum beschreibt den Quellenkontext, nicht die gesamte Existenzdauer dieser Art.
Größe, Gestalt und Skelett
Die hoch aufragende Schale besteht aus mehreren Spiralwindungen und einer zentralen Säule im Inneren. An der Innenseite der Öffnung ist eine glänzende Perlmuttschicht erhalten. Nach der Betrachtung des äußeren Umrisses wirft die Vorstellung des inneren Aufbaus die Frage auf, wie diese große Schale wuchs.[1]
Das Exemplar MNHN-F-B70270 im Pariser Naturkundemuseum besitzt eine 60 cm lange Schale. Es zeigt, wie groß die hoch aufragende Spiralschale war.[7]
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Lebensraum und Fortpflanzung
Das Tier lebte in warmen, flachen Meeren. Die Schale des untersuchten Exemplars wurde als Hinweis auf einen Wachstumsrhythmus gedeutet, der fast das ganze Jahr anhielt, sich im Winter jedoch verlangsamte. Selbst im selben Meer änderte sich die Wachstumsgeschwindigkeit der Schnecke also mit den Jahreszeiten.[1][2]
Fossilfund
Die Studie von 2020 verglich französische fossile Schalen mit den Bezeichnungen E1, E2 und E3 mit heutigen Schnecken der Gattung Campanile. Die Fossilforschung, die äußere Formen einordnete, wurde um das Lesen winziger Wachstumsspuren im Inneren der Schale erweitert.[1]
Quellen
- de Winter et al. (2020), “The Giant Marine Gastropod Campanile giganteum (Lamarck, 1804) as a High-Resolution Archive of Seasonality in the Eocene Greenhouse World.”
- VUB — Giant sea snail fossil reveals climate of French Champagne region
- de Winter et al. (2020), “The Giant Marine Gastropod Campanile giganteum (Lamarck, 1804) as a High-Resolution Archive of Seasonality in the Eocene Greenhouse World.”
- VUB — Giant sea snail fossil reveals climate of French Champagne region
- Maxwell1969 — Middle Tertiary Mollusca from North Otago and South Canterbury
- Treatise — Schalenmerkmale von Venericardia
- Nationales Naturhistorisches Museum Paris — Campanile giganteum
Forschungsfragen
Der Winter, in dem die Schale langsam wuchs, kann auch im Archiv nur einen kurzen Abschnitt hinterlassen. Forschende berücksichtigen diesen Unterschied bei der Rekonstruktion früherer Wassertemperaturen. Die spannende Untersuchung fragt nicht nur danach, was ein Fossil aufgezeichnet hat, sondern auch, wie es dies tat.[1]
Beobachtung
Betrachten Sie nacheinander die Windungsrichtung der Spirale und die Schalenöffnung.[1]
Verwandte Organismen
Zwei Schalen aus den Eozänmeeren des heutigen Frankreichs
Campanile und Venericardia begegnen uns in unterschiedlichen Funden aus dem mittleren Eozän des heutigen Frankreichs. Vergleichen Sie die turmartig gewundene Schneckenschale mit den beiden Muschelschalen, die schuppenähnliche Reihen tragen, und erkunden Sie die Formenvielfalt des alten Meeres.